Wer bin ich und wie stehe ich zu den anderen? Was auf den ersten Blick wie eine Familienaufstellung mit Spielfiguren aussieht, ist der spielerische Einstieg in den digitalen Wandel der Caritas in Deutschland. Beim Kick-off-Workshop in Freiburg geht es um die Klärung von Rollen und die Herausforderung, möglichst viele Akteure für die Idee einer Caritas 2.0 zu gewinnen – auch die Zweifler, Skeptiker und Gegner.

Am Auftakt des digitalen Strategieprojektes im Juli 2014 nehmen zehn Kommunikationsverantwortliche teil. Sie arbeiten auf verschiedenen Ebenen der Caritas und sind dort so etwas wie die Protagonisten des digitalen Wandels. Sie kennen den Verband und die Menschen, die ihn prägen – und sie wissen, auf wen es ankommt, damit die Caritas in einer digitalisierten Welt anschlussfähig bleibt.

Caritas-Vertreter(innen) platzieren Spielfiguren auf einem Tisch

Spielerische Familienaufstellung zu Beginn des Strategieworkshops der Caritas im Juli 2014 in Freiburg.

Alle Akteure kommen als Spielfigur auf den Tisch, dazu in einem Rollenspiel ihre Argumente für und wider den Einsatz von sozialen Medien. Denn auch in der Caritas rufen nicht alle „Hurra“, wenn es um den digitalen Wandel geht. Um die Einstellungen unterschiedlicher Gruppen besser zu verstehen, erfolgt die Einordnung nach einem Modell von Gunter Dueck. Darin gibt es OpenMinds, die Social Media irgendwie okay finden. Sie sind bereit mitzuziehen, wenn alle Fragen geklärt sind. Die CloseMinds sind die „Ja-Aberer“, die sich einer Innovation erst anschließen, wenn es nicht mehr anders geht – dabei aber immer wieder ihre Bedenken einbringen. Schwierig wird es bei den Antagonisten, die Neuerungen kategorisch (und oft aus persönlichen Gründen) ablehnen.

Aufgeschlossen, skeptisch oder dagegen

Mit Blick auf die Caritas fokussieren sich die Workshop-Teilnehmer(innen) auf fünf prototypische Akteure. Deren Argumente gegen den Einsatz sozialer Medien sind schnell gesammelt. Schwieriger wird es, sie vom Nutzen von Social Media zu überzeugen:

Ohne die Macher(innen) geht in der Caritas nichts. Sie arbeiten mit den Menschen, die Rat, Hilfe und Unterstützung suchen. Sie sind überzeugt von dem, was sie tun und können bewegende Geschichten erzählen. Die wollen sie aber nicht unter ihrem Namen auf Social-Media-Kanälen verbreiten. Für sie gilt:

In mittleren Führungspositionen der Caritas gibt es viele Verwalter(innen) des Status Quo. Sie stehen dem digitalen Wandel zurückhaltend bis ablehnend gegenüber:

Die Expert(inn)en des Verbandes erarbeiten sozialpolitische Stellungnahmen. Sie publizieren Fachartikel und lieben qualifizierte Diskussionen auf Kongressen. Ideale Voraussetzungen also, um sie als Protagonisten des Wandels zu gewinnen? Nicht unbedingt, denn sie sind skeptisch:

Kommunikator(inn)en sprechen aufgrund ihrer Aufgabe auf vielen Kanälen bereits offiziell für den Verband. Ihr Gegenüber sind bislang vor allem Journalist(inn)en. Sie sind dem Neuen gegenüber aufgeschlossen, aber

Die Entscheider(innen) sind täglich mit Veränderungswünschen konfrontiert. Nur wenn ihnen deren Nutzen für die Organisation plausibel erscheint, geben sie Ressourcen dafür frei.

Eure Erfahrungen sind gefragt

Der strategische Wandel der Caritas wird nur mit den eben beschriebenen Akteuren gelingen. Alle Leserinnen und Leser sind eingeladen, Teil dieses Prozesses zu werden. Sucht in Eurer Organisation das Gespräch mit diesen Personen, nutzt die argumentativen Hilfen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil: Teilt Eure Erfahrungen mit uns, indem Ihr diesen Blogeintrag kommentiert.